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Weltmeisterschaft in Ronquières 2017 [Bildquelle: © René Schulze]

Weltmeisterschaft in Ronquières

Weltmeisterschaft in Ronquières 2017 – ein Rückblick

Eine Weltmeisterschaft in Ronquières (Belgien) im Charleroi-Bruxelles Canal hat immer ihren besonderen Reiz. Bei kaum einem anderen Gewässer kommen die Zuschauer so nah an die Angler heran. Im Jahre 2017 fand an diesem Kanal die 64. Weltmeisterschaft der Nationen im Friedfischangeln statt. Im diesem Jahr 2022 trafen sich hier die Vereine zu ihrer 41. WM. Ich nahm dieses Ereignis zum Anlass, noch einmal auf das Jahr 2017 zurückzublicken. Wer waren die erfolgreichsten Teams und welche Taktik war damals die beste? 

Zuschauer bei der Weltmeisterschaft in Ronquières
Eine Weltmeisterschaft für die Zuschauer [Bildquelle: © René Schulze]

Die Teams dieser WM

Der hohe Turm des Schiffshebewerkes Ronquières wurde zum Wappen dieser Weltmeisterschaft. Schon von weitem war er zu sehen und wies mir den Weg zum Charleroi-Bruxelles Canal.

Schiffhebewerk von Ronquières
Das Schiffhebewerk von Ronquières [Bildquelle: © René Schulze]

38 Nationen fanden den Weg nach Belgien, um ihren Weltmeister zu ermitteln, darunter auch Teams aus Neuseeland und Südafrika. Dass diese keine Chance auf die vorderen Plätze hatten, hielt sie nicht davon ab, diese weite Reise auf sich zu nehmen. Am Ende belegten sie die letzten beiden Platzierungen.

Teamangler aus Neuseeland
Den weitesten Weg hatte das Team aus Neuseeland. [Bildquelle: © René Schulze]

Unser deutscher Teamchef Peter König suchte sich Thomas Del Fabro, Florian Gabelsberger, Marco von Holten, Claus Müller und Michael Wittig für diese schwere Aufgabe aus.

Michael Wittig vom deutschen Team
Michael Wittig saß am ersten Tag im A-Sektor. [Bildquelle: © René Schulze]

Die vor der Weltmeisterschaft in Ronquières hoch gehandelten Teams kamen aus England, Belgien und Frankreich.

Die Engländer konnten wie immer aus den vollen schöpfen. Es gibt wohl kaum eine andere Nation mit so vielen Top-Anglern. Wie fast immer waren sie mit dem Drennan-Team am Start. Dieses bestand aus Alan Scotthorne, Will Raison, Sean Ashby, Des Shipp und Steve Hemmingray.

Das belgische Team mit Frontmann Luc Thijs hatte gleich 3 Lokalmatadoren am Start und galt wegen des Heimvorteils als Favorit.

Der Belgier Duquesne Geoffrey
Der Belgier Duquesne Geoffrey gehörte zum Favoritenkreis. [Bildquelle: © René Schulze]

Die Franzosen als bisher erfolgreichste Nation aller Weltmeisterschaften sind als hervorragende Kanal- und Rotaugenangler bekannt. Wenn sie kein schlechtes Einzelergebnis einfahren, dann konnten sie sogar die Belgier im eigenen Land schlagen.

Die Zielfische dieser Weltmeisterschaft

Der etwa 40 m breite Charleroi-Bruxelles Canal in Ronquières weist hinsichtlich seiner Bauweise eine Besonderheit auf. Die wasserseitige Böschung besteht bis etwa 9 m vom Ufer aus Beton. Von da ab bis etwa 12 m liegen vereinzelte Steine.

Von den Weißfisch-Arten dominieren eindeutig die Rotaugen. Kurz vor der Veranstaltung wurden noch Fische eingesetzt. Ob das ökologisch sinnvoll war, bezweifle ich. Der Weltmeisterschaft im Friedfischangeln tat es gut.

Charleroi-Bruxelles Canal in Ronquières
Der Charleroi-Bruxelles Canal in Ronquières ist ein idealer Austragungsort einer Weltmeisterschaft. [Bildquelle: © René Schulze]

Brassen wurden vor allem an den Trainingstagen gefangen. Am Wertungswochenende wurden sie deutlich weniger, für Alan Scotthorne, Will Raison und Sean Ashby trugen sie allerdings zu einem Halbsektorensieg bei.

Wie in mittlerweile jedem europäischen Kanal war die Grundel mit Sicherheit der zahlenmäßig dominierende Fisch. Die ebenfalls im Gewässer vorhandenen Karpfen und Karauschen legten am Wochenende der Weltmeisterschaft in Ronquières allerdings eine Fresspause ein.

Taktik der Weltmeisterschaft in Ronquières

Die Erfolgstaktik der besten Team zielte natürlich genau auf die dominierenden Fische Grundel und Rotauge ab.

Das Futter der Engländer bestand aus folgenden Zutaten:

  • Sensas Canal Fine Noire als Basis
  • Rösthanf
  • Taubenmist
  • Koriander

Diese Mischung wurde auf der 11 m – Bahn (Steine) und auf 13 m (natürlicher Kanalgrund) gefüttert. Hinzu kam pure leichte Flusserde (Terre de Somme black) mit kleinen Mückenlarven. Zum Abbinden wurde grauer Lehm (Liant a Coller) verwendet. Am zweiten Tag verzichteten die Engländer auf die Flusserde auf der 11 m – Spur, weil die Rotaugen nicht so gut darauf ansprachen.

Rotaugenfutter bei der Weltmeisterschaft in Ronquières
Das Futter für die Rotaugen wurde dunkel eingefärbt. [Bildquelle: © René Schulze]

Grundeln zuerst

In der konkreten Umsetzung fischten alle Mannschaften in der ersten Stunde Grundeln mit der Whip. Die Startfütterung bestand dabei aus lediglich einem Ball. Bei dem recht steilen Ufer reichten kurze Ruten von etwa 3 – 4 m Länge. Mindestens 100 Fische mussten es schon sein, um vorne mitzuspielen. Alan Scotthorne schaffte 121 Stück. Das waren 2 pro Minute!

Die Grundel-Montagen sahen auf den ersten Blick recht laienhaft aus. Schwere Posen mit dicken Bleikugeln erweckten den Eindruck, man sei auf einem Volksangeln im Nachbardorf.

Aber die Profis wussten, was sie taten und erreichten mit diesem „Grobzeug“, dass das Wurmstück schnell den Grund erreichte. „Zeit ist Fisch“ war die Devise.

Grundelangeln mit schwerer Montage
Der Luxemburger Alain Tarayre beim Grundelangeln mit schwerer Montage. [Bildquelle: © René Schulze]

Wann die einzelnen Teams auf die lange Bahn zum Rotaugenangeln wechselten, war unterschiedlich. Die Belgier angelten etwas weniger als einen Stunde auf Grundeln, die Engländer folgten ihrer Teamtaktik und machten die 60 Minuten nahezu voll. Dieser feine Unterschied konnte am Ende der entscheidende sein.

Die Rotaugen entschieden das Rennen

Insgesamt wurde recht wenig Grundfutter verwendet. Will Raisons Startfütterung sah wie folgt aus:

  • 4 Bälle auf die 11 m – Bahn,
  • 5 Bälle auf 13 m.

Es waren sowohl Futterbälle als auch Bälle aus Flusserde. Die Futterkugeln enthielten ein paar Caster und große Mückenlarven. Maden habe ich nicht gesehen, eventuell waren ein paar Wurmstücke dabei. Die Erde-Bälle hatten kleine Mückenlarven an Bord.

Alle Futterbälle wurden gecuppt und es kam ausschließlich die Kopfrute zum Einsatz. Nach dem Einbringen der Futterbälle schossen die Engländer noch eine Ladung loser Caster auf die lange Bahn.

Alan Scotthornes Futterbealle
Alan Scotthornes Futterbälle der Startfuetterung [Bildquelle: © René Schulze]

Hinsichtlich des Angelgeräts verwendeten die Top-Teams Montagen von 3 – 5 g und eine Hauptschnur von 0,14 – 0,16 mm (meine Schätzung). Bebleit wurden sie meist mit einer Olivette und 2 – 3 auseinander gezogenen Schroten unterhalb dieser. Auffällig waren die kurzen Vorfächer der Belgier. Der Abstand des Hakens von der Hauptbebleiung betrug bei ihnen nur etwa 40 cm.

Alan Scotthornes Kanal-Montagen
Alan Scotthornes Kanal-Montagen [Bildquelle: © René Schulze]

Als Köder kamen mehrere große Mückenlarven zum Einsatz. Wichtig war ein sehr langsames und präzises Einsetzen der Montage. Während der zeitweise durch das Hebewerk erzeugte leichten Strömung musste die Montage blockiert werden.

Auffällig war die kleine Wartezeit nach einem Anbiss. Diese sorgte zur weitgehenden Vermeidung von Fehlbissen.

Rotaugen wurden in allen Größen bei der Weltmeisterschaft in Ronquières gefangen. Die größeren waren etwa 20 bis 25 cm lang. Nach den je 4-stündigen Durchgängen konnten damit zusammen mit den Grundeln und vereinzelten Brassen durchschnittliche Gewichte von 5 bis 7 kg erreicht werden.

Hans Slegers mit einem guten Rotauge
Hans Slegers mit einem guten Rotauge [Bildquelle: © René Schulze]

Ergebnis der Weltmeisterschaft in Ronquières

Die Belgier hatten am ersten Tag drei Halbsektorensiege sowie einen zweiten und dritten Platz zu verzeichnen. Damit lagen sie souverän in Führung. Die Engländer mit Alan Scotthorne und Will Raison (Tageshöchtgewicht 9301 g) und auch die Franzosen konnten ebenfalls am ersten Tag zwei Halbsektoren für sich entscheiden.

Das Duell zwischen Alan Scotthorne und Kim de Page
Das Duell zwischen Alan Scotthorne und Kim de Page am zweiten Tag entschied der Belgier für sich. Er wechselte früher vom Grundelangeln zum Rotaugenfischen. [Bildquelle: © René Schulze]

Am zweiten Tag starteten die Franzosen eine beeindruckende Aufholjagd und beendeten diesen ebenfalls mit 8 Punkten. Hätten sie nicht eine 10,5 eines Einzelanglers am ersten Tag zu verbuchen gehabt, hätten wohl die Belgier betrübt dagestanden. Ich könnte jetzt den Spruch mit der Fahrradkette zitieren. Schlussendlich gönne ich es den Belgiern, die eine schöne Veranstaltung organisiert und verdient gewonnen haben.

Zum Abschluss noch ein paar Zahlen

Tag 1:

  1. Belgien: 8 Punkte
  2. England: 11 Punkte
  3. Frankreich: 16,5 Punkte

Tag 2:

  1. Belgien: 10 Punkte
  2. England: 10 Punkte
  3. Frankreich: 8 Punkte

Die besten 5 Nationen der Weltmeisterschaft in Ronquières waren:

  1. Belgien: 18 Punkte (59 812 g)
  2. England: 21 Punkte (53 393 g)
  3. Frankreich: 24.5 Punkte (53 031 g)
  4. Schweiz: 49 Punkte (33 245 g)
  5. Polen: 51 Punkte (30 273 g)

Die Einzelwertung sah wie folgt aus:

  1. Luc Thijs aus Belgien, Platzziffer 2, (17 011 g)
  2. Stephane Linder aus Frankreich, Platzziffer 2, (12 181 g)
  3. Geoffrey Duquesne aus Belgien, Platzziffer 2, (11 577 g)
  4. Aaron Ferretti aus der Schweiz, Platzziffer 2, (11 081 g)
  5. Will Raison aus England, Platzziffer 3, (15 652 g)
Einzel- und Mannschaftsweltmeister Luc Thijs aus Belgien
Einzel- und Mannschaftsweltmeister Luc Thijs aus Belgien. [Bildquelle: © René Schulze]

Bemerkenswert ist, dass der Schweizer Aaron Ferretti trotz zweier Halbsektorensiege am Ende nur den undankbaren 4. Platz erreichte. Aber bei einem so starken Teilnehmerfeld ist er wohl darüber hinweg gekommen.

Unser deutsches Team kam nach Platz 30 am ersten Tag nicht mehr aus der unteren Hälfte heraus. Ein Jahr später wurde Deutschland in Portugal Weltmeister. Johannes Böhm errang dabei sogar den Einzelweltmeistertitel und Ralf Herdlitschke den 3. Platz. Das ist Angeln. Alles ist möglich.

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