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Das Angeln mit Hard Pellets in Naturgewässern ist auf große Fische sehr erfolgreich. [Bildquelle: © René Schulze]

Hard Pellets in Naturgewässern

Hard Pellets in Naturgewässern

Das Angeln mit Hard Pellets in Naturgewässern ist nichts für Ungeduldige. Wer beim Posenangeln mit der Kopfrute ständige Bisse gewöhnt ist, wird hier leider enttäuscht. Wenn es aber mal beißt, dann geht meist richtig die Post ab…

Warum angle ich mit der Kopfrute und Hard Pellets in Naturgewässern?

Während meiner Angelausflüge oder bei Spaziergängen an Naturgewässern (keine speziellen Karpfenteiche) beobachte ich oft Karpfenangler mit ihrer speziellen Ausrüstung. Ich habe dabei allerdings noch nie gesehen, dass einer dieser Angler einen Fisch gefangen hat. Wahrscheinlich war ich immer zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.

Ein anderer und durchaus plausibler Grund ist für mich der Angeldruck an unseren Gewässern. Zumindest kann ich das für meine Hausgewässer sagen. Während des Sommers gibt es kaum einen Tag, an dem an meinem Lieblingsgewässer Scholitzer See nicht irgend jemand auf Karpfen angelt. Hinzu kommen ca. 10 badende Hunde, deren Herrchen das „Stöckchen“ gerne mal 20 m in Richtung Gewässermitte werfen. Schade, dass Welse nicht 4 m groß sind.

Die großen Fische sind vorsichtig geworden und lassen sich nicht mehr so einfach mit einer gewöhnlichen Karpfenausrüstung überlisten. Als leidenschaftlicher Stipper witterte ich zunehmend meine Chance.

Mit der Kopfrute ist es mir möglich, lose Pellets super genau an eine bestimmte Stelle zu Cuppen und dort mit leichter Pose zu angeln. Die Bissausbeute dürfte dadurch bedeutend höher sein als mit einer Karpfenrute und Boilies.

Auch wenn ich bisher nur von Karpfen gesprochen habe, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass das Angeln mit Hard Pellets in Naturgewässern auch auf andere Fische erfolgreich ist. Große Brassen und Schleien sowie andere größere Weißfische lassen sich ebenfalls mit Hard Pellets erbeuten.

Naturgewaesser Scholitzer See
Der Scholitzer See bei Dessau ist ein schönes Naturgewässer. [Bildquelle: © René Schulze]

Was sind Hard Pellets?

Seit einigen Jahren und dank des Internets ist die Pellets-Leidenschaft wahrscheinlich aus England auch nach Mitteleuropa geschwappt. Ursprünglich kommen sie wohl aus der skandinavischen Fischzucht. In den Commercial Fisheries Großbritanniens wird sehr oft mit Pellets gefischt. Das liegt einerseits am großen Bestand an Karpfen und F1 (Hybride aus Schuppenkarpfen und Karausche) in diesen Teichen. Wegen der Gewässerverschmutzung durch Grundfutter sind manchmal auch nur Pellets erlaubt.

Es gibt Hard und Soft Pellets (Expander-Pellets). Letztere werden bei Wasserkontakt schnell weich und damit auch für andere kleinere Fische attraktiv. Ich bevorzuge daher die Hard Pellets, weil sie für mich unter anderem folgende Vorteile haben:

  • Fernhalten kleiner Weißfische für mehrere Stunden,
  • hohe Anziehungskraft auf Karpfen und andere große Friedfische,
  • kostengünstig (max. 200 ml pro Angeltag notwendig),
  • lange Haltbarkeit am Haken (Haar),
  • kein Grundfutter notwendig (Säuberung der Gerätschaften entfällt),
  • sofortige Einsatzfähigkeit.

Es gibt die Hard Pellets in der klassischen bräunlichen Farbe sowie als schwarze Variante mit zahlreichen „Geschmacksrichtungen“ (Halibut, Monster Crab usw.). Von der Größe her sind 4 mm, 6 mm und 8 mm gebräuchlich.

Vor dem Angeln habe ich schwarze und braune 6 mm Pellets hinsichtlich ihres Aufweich-Verhaltens nach dem Einwerfen ins Wasser getestet:

Durchweichung von Pellets in Abhaengigkeit von der Zeit
Schwarze Pellets brauchen nur etwa halb so lange bis zur vollständigen Durchweichung (rotes x). [Bildquelle: © René Schulze]

Die Pellets weichen von außen nach innen auf. Je länger sie im Wasser liegen, desto interessanter werden sie für kleinere Weißfische.

Vorbereitung für das Angeln mit Hard Pellets im Scholitzer See

Wenn du meine Vorgehensweise selbst einmal ausprobieren möchtest, dann sei dir bewusst, dass du dafür eine starke Kopfrute brauchst. Sie muss außerdem einen dicken Gummizug aufnehmen können. Ich verwende den Matrix Slik Elastic orange (2,6 mm).

Hinsichtlich der Schnurstärke verwendete ich bei meinen Sessions eine 0,28 mm Hauptschnur und ein 0,235 mm dickes Vorfach. Damit bin ich in der Lage, auch Karpfen zu landen, wenn…

Ja, dieses „wenn“ ist beim Angeln mit Hard Pellets in Naturgewässern immer so eine Sache.

Im Gegensatz zu den englischen Karpfenteichen hat mein oben genannter Scholitzer See jede Menge Hindernisse. Seit einigen Jahren wachsen immer mehr Seerosen (auch in der Mitte) und Krautbänke. An einigen Stellen befindet sich Schilf. Hinzu kommen Äste, die irgendwann mal ins Wasser gefallen und versunken sind.

Karpfen haben die Gabe, beim Drill genau diese Hindernisse zielgerichtet anzuschwimmen.

Meine Angelstelle mit Hindernissen
Meine Angelstelle mit Hindernissen [Bildquelle: © René Schulze]

Eine bessere Stelle habe ich bei meinen Sessions für diesen Artikel in 2022 nicht gefunden. Durch die sommerliche Trockenheit waren alle anderen Stellen zu flach und demnach von Seerosenfeldern versperrt. Ich begab mich demnach sprichwörtlich auf „dünnes Eis“.

Hinsichtlich des Hakens war meine Entscheidung klar. Ich wählte einen kräftigen mittelgroßen Öhrhaken ohne Widerhaken (barbless). Letzteres ist mir beim Angeln mit Pellets aus folgendem Grund besonders wichtig.

Wenn dein Gewässer Karpfen beherbergt, wirst du mit meiner nachfolgenden Taktik höchstwahrscheinlich auch welche an den Haken bekommen. Wenn du einen Karpfen durch Vorfachbruch verlierst, dann wird er den Haken mit ziemlicher Sicherheit wieder loswerden, weil er eben keinen Widerhaken hat.

Beim Angeln mit Pellets in Naturgewässern sind Haken ohne Widerhaken Ehrensache.
Beim Angeln mit Pellets in Naturgewässern sind Haken ohne Widerhaken Ehrensache. [Bildquelle: © René Schulze]

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit auch größer, dass sich der Fisch beim Drill leichter enthaken kann, aber diesen Kompromiss solltest du als verantwortungsvoller Angler gerne eingehen.

Als Pose wählte ich eine 0,75 g-Variante mit Schnurinnenführung. Bei Posen mit Öse würde sich die Schnur beim Karpfen-Drill in den Posenkörper einschneiden. Eine dicke Antenne hat genügend Auftrieb, um den schweren Haken zu tragen. Sie geht auch bei „Schnurbissen“ (Liners) nicht gleich unter.

Karpfenpose mit Schnurinnenführung und tragfaehiger Antenne
Meine leichte Karpfenpose mit Schnurinnenführung und tragfähiger Antenne. [Bildquelle: © René Schulze]

Meine Sessions zum Angeln mit Pellets in Naturgewässern

Während meiner Sessions für diesen Artikel wählte ich jedes Mal den gleichen Angelplatz. Dies gab mir die Möglichkeit, mehrere Dinge auszuprobieren und meine Schlüsse zu ziehen. Außerdem lernte ich ganz nebenbei die „Unterwasserwelt samt Hindernissen“ kennen :-).

Aufbau des Angelplatzes und Startfütterung

Beim ersten Versuch baute ich meinen Platz wie folgt auf:

Mein Angelplatz mit zwei Futterstellen in 11 m Entfernung
Mein Angelplatz mit zwei Futterstellen in 11 m Entfernung. [Bildquelle: © René Schulze]

Ich wollte sowohl die schwarzen Halibutt-Pellets als auch die braunen Classic-Pellets an zwei verschiedenen Futterstellen ausprobieren.

Pellets-Auswahl zum Angeln mit Hard Pellets in Naturgewaessern
Das Pellets-Buffet ist angerichtet. [Bildquelle: © René Schulze]

Von den braunen Pellets nahm ich am Tag zuvor eine kleine Probe weg und übergoss sie mit ein paar Tropfen Lockstoff:

Attractix ist ein sehr sueßer Lockstoff.
Attractix ist ein sehr süßer Lockstoff mit dem ich einige Pellets präparierte. [Bildquelle: © René Schulze]

Beide Futterstellen waren etwa 1,50 m tief und wurden zunächst bündig ausgelotet. Als Startfütterung kippte ich je etwa 70 Pellets mit dem Polecup ein. Bei den braunen waren etwa 10 Stück mit Attractix dabei.

Die Pellets befestigte ich wie auf dem obigen Bild zu sehen mit einem Gummibad am Haar.

Meine Taktik

Ich begann auf dem Halibut-Platz mit dem Angeln. Wie erwartet tat sich erst einmal eine ganze Weile nichts. Bei jedem Einwurf der Montage kippte ich mit dem Toss Pot etwa 15 Pellets mit ein.

Der Toss Pot leistete bei der Nachfuetterung gute Dienste.
Der Toss Pot leistete bei der Nachfütterung gute Dienste. [Bildquelle: © René Schulze]

Alle 10 Minuten wechselte ich die Stellen, um zu sehen, welche Stelle zuerst Fische bringt. Als Hakenköder an der Classic-Stelle verwendete ich stets einen süßen Pellet.

Nach etwa 30 Minuten begann die Pose auf dem Halibutt-Platz leicht zu wackeln. Es konnten einerseits Kleinfische sein, die an den immer noch innerlich harten Pellets probierten. Aus meiner Erfahrung am Carpodrom könnte es allerdings auch bedeuten, dass ein Großfisch mit seinem Körper oder der Flosse die Schnur berührte.

Für den Bruchteil einer Sekunde ging die Pose dann auch mal unter, was die Kleinfischvermutung betätigte. Es dauerte danach nochmal eine gute dreiviertel Stunde bis ich auf dem Stinke-Platz, sorry Halibut-Platz, kleine Bläschen sah. Kurz darauf verschwand meine Pose etwas länger und ich setzte einen Anschlag. Leider vergeblich.

Beim dritten Versuch hatte ich einen Fisch gehakt und landete einen mittleren Brassen:

Brassen mit Hard Pellets gefangen.
Die allmählich weich gewordenen Pellets verleiteten diesen Brassen zum Anbiss. [Bildquelle: © René Schulze]

Nach den Brassen gingen die Bisse weiter, aber ich konnte nur noch einen einzigen verwerten. Das lag daran, dass ich meine Hakenpellets am Haar angeboten hatte. Wenn ein Kleinfisch den Pellet nimmt und die Pose unter geht, dann ist der Haken meist noch außerhalb des Mauls. Der Fisch hängt nicht und freut sich. Ich wartete darauf hin noch etwas länger mit dem Anschlag und konnte noch eine mittlere Rotfeder fangen.

Das Eintreffen von Kleinfischen und deren Beißverhalten am Halibut-Platz (die ersten Pellets waren mittlerweile schon durchweicht) ließ mich nun umdenken. Wenn ich nach dem Biss immer warte, könnte es sein, dass ein größerer Fisch den Hakenköder zu tief schluckt, was ich vermeiden wollte.

Aus diesem Grund wollte ich mich nun mehr um den zweiten Angelplatz kümmern. Ich hatte von Anfang an das Gespür, dass die Karpfen im sommerlich warmen Wasser mehr auf süß als auf fischig stehen.

Dem Ziel so nah

Etwa 2 Stunden lang fütterte ich geduldig und regelmäßig den Classic-Platz wie beschrieben nach. Außer kleinen Posenregungen tat sich nichts. Ich probierte nah einer Weile mehrere Tiefeneinstellungen und stellte die Pose etwa 5 cm übertief ein. Dann plötzlich ging die Pose unter und blieb sichtbar unter der Oberfläche stehen. Anhieb!

Wenn ich es am Karpfenteich noch nicht erlebt hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich von meiner Kiepe gefallen. In meinem E-Book zum Karpfenangeln mit der Kopfrute habe ich bereits ausführlich von diesem Beißverhalten berichtet.

Genau eine Sekunde nach dem Anhieb setzte sich das U-Boot unaufhaltsam in Bewegung und steuerte zielgerichtet dem linken Ufer zu. Dort gab es eine Stelle mit Schilfbewuchs. Mein Gummi arbeitete gut und auch die Schnur hielt was sie versprach.

Etwa 30 Sekunden konnte ich den Fisch davon abhalten, ins Schilf einzudringen. Dann konnte er sich geschickt an einem Hindernis drehen und es gab es einen Schwall, auf den Moby Dick neidisch geworden wäre. Im gleichen Moment flog meine Montage der Rutenspitze entgehen und bildete eine schöne Perücke.

Ich hatte meinen ersten, wenn auch kurzen, Karpfenkontakt dieses Sommers. Meine verfügbare Angelzeit ging auch dem Ende entgegen und ich packte meinen Kram zusammen. Für mich blieben an diesem Tag zwei wichtige Ergebnisse:

Erstens: Das Vorfach hat gehalten und der Fisch konnte ohne Haken entkommen.

Zweitens: Die Taktik funktionierte. Beim nächsten mal würde ich gezielt mit den Classic-Pellets auf Karpfen angeln und schauen, was geht.

Wie mein Karpfen-Abenteuer weiterging, erfährst du in meinem Bericht:

Karpfen mit der Kopfrute in Naturgewässern.

Wenn du weitere Tipps und Tricks zum Friedfischangeln bekommen möchtest, dann tritt gerne meiner Insider Group bei.

Wie immer kannst du hier eine Zusammenfassung des Beitrages herunterladen:

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren.

René

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