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Mit der richtigen Taktik kannst du schöne Schleien auf der Kopfrute fangen. [Bildquelle: © René Schulze]

Mit der Kopfrute Schleien angeln

Mit der Kopfrute Schleien angeln

Die meisten Angler benutzen beim Schleienangeln ihre Rollen- oder Feederruten. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Trotzdem möchte ich dich an dieser Stelle einmal ermutigen, mit der Kopfrute Schleien zu angeln. Welche Vorteile diese Methode bietet und was du beachten solltest, um maximalen Erfolg zu haben, werde ich dir in diesem Bericht zeigen.

Witterung und Gewässer

Am 21. April war es endlich so weit. Nach den ersten warmen Witterungsperioden in diesem Jahr wollte ich unbedingt eine Frühjahrs-Schleie fangen. Wie das Leben aber so spielt, waren ausgerechnet die Tage vor meinem geplanten Schleienangeln mit der Kopfrute nicht mehr so warm. Doch das konnte mich nicht entmutigen.

Wenn die Schleien einmal aus ihrer Winterruhe erwacht sind, wollen sie fressen, so dass selbst kühlere Tage kein Problem darstellen müssen. Bewölkter Himmel ist beim Angeln mit der Kopfrute vor allem im immer noch kühlen und klaren Wasser ein Vorteil (Scheuchwirkung der Rutenspitze). Ich suche mir im Frühjahr sehr gerne flachere und möglichst nach Süden gerichtete Gewässerabschnitte aus. Diese erwärmen sich schneller und bieten den Schleien zuerst ihre natürliche Nahrung.

In meiner Wohngegend gibt es mehrere Gewässer mit mäßigem Schleienbestand, so dass ich mir aus Bequemlichkeit jenes mit kürzestem Anfahrtsweg aussuchte. Ich liebe immer wieder die Herausforderung, an natürlichen Gewässern zu angeln und fahre wegen eines Berichtes nicht kilometerweit, um mit Sicherheit Erfolg zu haben. Ich möchte dir zeigen, was an einem „normalen“ Hausgewässer möglich ist, weil dir das am meisten hilft.

Ausrüstung und Montage zum Schleienangeln mit der Kopfrute

Meine Montage wählte ich relativ stark, denn ich wollte einen gehakten Fisch auch sicher landen können. Außerdem musste ich auch immer mit dem Anbiss eines Karpfens rechnen. Folgendes Bild zeigt die Details:

Montage zum Schleienangeln mit der Kopfrute
Meine Schleien-Montage war simpel und an die Rotfederbisse angepasst. [Bildquelle: © René Schulze]

Wichtig zu erwähnen ist, dass ich meine Hauptbebleiung etwa in der Mitte zwischen Pose und Vorfach angeordnet habe. Normalerweise würde ich sie noch höher in Richtung Pose schieben, so dass die vorsichtigen Schleien möglichst keinen Kontakt zum Blei bekommen. Aufgrund meines Hakenköders und der zu erwartenden „Beifänge“, musste ich einen Kompromiss finden. Eine ausführliche Erklärung gibt es im Punkt Taktik weiter unten.

Meinen Gummizug passte ich entsprechend an und fischte mit einem 2,6 mm Matrix Slik Pole Elastic. Dieser ist für Schleien überdimensioniert, aber bei einem 4 kg schweren Karpfen in Schilfnähe genau richtig. Er überzeugt mich aber vor allem durch seine große Dehnfähigkeit und Haltbarkeit. Es gibt auf dem Markt noch dickere Gummis für Kopfruten, aber diese sind mir zu stark. Wenn du dafür nicht die richtige Kopfrute verwendest und bekommst einen Karpfenbiss, schwimmt danach dein halbes Top-Kit wie ein Geisterschiff durch den Teich.

Wenn du in deinem Angelgewässer nicht unbedingt mit Karpfen rechnen musst, dann sind Gummis von 1,6 bis 1,8 mm eine gute Wahl. Damit kannst du auch größere Schleien sicher drillen und von Hindernissen fernhalten.

Futter und Köder

Ein Lieblingsthema der Stipper ist zweifelsfrei das Futter und die Köder. Wie in meinem Schleienartikel beschrieben, mögen unsere Tincas im Frühjahr Proteine. Aus diesem Grund fiel meine Wahl auf einen 50:50-Mix aus fertigem Schleienfutter (Proteingehalt 15 %) und Futter auf Fischmehlbasis (Proteingehalt 36 %). Normale Futtermischungen für Weißfische haben meist nur einen Proteinanteil von weniger als 10 %.

Um die Lockwirkung in Bezug auf den Geruch weiter zu erhöhen, gab ich in die Futtermischung noch einige Pellets mit fischigen Nuancen mit hinein. Diese etwas unübliche Beigabe sollte zudem größere Fische am Platz halten und zum Suchen animieren. Für Kleinfische sind die harten Köstlichkeiten weniger interessant.

Um mit der Kopfrute Schleien zu angeln, brauchst du nur wenig Futter.
Diese Futtermenge reicht völlig aus, um mit der Kopfrute Schleien zu angeln. [Bildquelle: © René Schulze]

Dosenhanf gehört bei mir zum Kopfrutenangeln wie das Biertrinken in die Kneipe. Sein Duft und sein Aussehen, welches kleinen Muscheln ähnelt, erzielt bei allen Friedfischen eine Lockwirkung. Selbst beim Stippen auf Karpfen sind die schwarzgrünen Körnchen immer dabei.

Futter zum Kopfrutenangeln auf Schleien
Aus diesen 7 Zutaten bestand mein Futter zum Kopfrutenangeln auf Schleien. [Bildquelle: © René Schulze]

Die beiden abgebildeten Futtersorten hatte mein Fachhändler vorrätig. Besonders das Futter FORMULA FISH überzeugte mich mit seiner fischig-süßen Duftnote. Es ist zwar vergleichsweise teuer, aber du brauchst eigentlich nur ein Drittel einer Tüte. Ich hatte nach dem Angeln noch reichlich Futter übrig, so dass es sich am Ende doch rechnet.

Als zusätzliche Beigabe zum Futter wählte ich Mais und tote Maden. Letztere werden von allen Fischen, besonders aber von größeren Exemplaren sehr gern genommen. Die Maden sorgen außerdem für weitere Proteine.

Der Hakenköder sollte planmäßig ebenfalls aus toten Maden, Mais oder einer Kombination aus beiden bestehen. Je nachdem, wie viele und in welcher Größe Weißfische am Platz eintreffen, kann ich mit der Art und Menge dieser beiden Köder am Haken ein wenig gegensteuern. Lebende Maden sind zum Fang größerer Fische (ausgenommen Barsche) weniger geeignet als tote! Die lebendigen Krabbler locken nämlich Kleinfische an wie ein Misthaufen die Fliegen. Wann immer du also größere Exemplare fangen möchtest, nimm tote Maden. Das Selektieren größerer Exemplare ist ein besonders für Hegefischer wichtiges Thema, welches ich in meinen Newslettern aufgreife.

Taktik zum Schleienangeln mit der Kopfrute

Die Taktik ist das Herzstück jedes Angeldurchgangs. Schon durch die Art der Vorbereitung deiner Ausrüstung sowie des Futters und der Köder schaffst du die notwendigen Grundlagen. Meine Taktik für das Schleienangeln mit der Kopfrute sah wie folgt aus:

Ausloten der Wassertiefe

Ich lotete mir eine Stelle in 11 m Entfernung vom Ufer aus, die etwa 1,20 m tief war. Die Schnur zwischen Pose und Rutenspitze ließ ich mit 1,50 m bewusst etwas länger, um die Schleien mit der Spitze der Kopfrute nicht zu erschrecken. Während des Angelns hielt ich die Spitze maximal seitlich entfernt von der Futterstelle.

Die Tiefe meiner Montage stellte ich so ein, dass mein Hakenköder bündig auf dem Grund lag. Diesen Vorteil habe ich in dieser präzisen Form nur mit der Kopfrute. An meiner Futterstelle wurde es nach rechts etwas tiefer, so dass ich bei Bedarf meine Montage auch etwas in diese Richtung verlagern konnte, um den Köder leicht schweben zu lassen.

Mit der Kopfrute habe ich beim Schleienangeln die Möglichkeit, Hebebisse sofort zu erkennen. Meine Pose tarierte ich zu diesem Zwecke so aus, dass die komplette Antenne bei leerem Haken aus dem Wasser schaute. Mit 2 Maiskörnern beladen tauchte sie so weit ab, dass  nur noch eine Hälfte zu sehen war. Ging die Pose ganz unter oder war sie komplett zu sehen, setze ich einen Anhieb.

Startfütterung

Mit der Kopfrute Schleien zu angeln hat auch den Vorteil, seine Futterstrategie punktgenau und an die jeweilige Situation angepasst umzusetzen. In einer leeren Köderdose mixte ich mir mein Startfutter zurecht. Du solltest grundsätzlich deine Startfütterung separat anmischen und nicht dein komplettes Futter mit Ködern durchsetzen. Während des Angelns musst du immer wieder auf geänderte Umstände reagieren und dein Futter in der Zusammensetzung variieren können.

Ich begann mit 2 mandarinengroßen Kugeln die ich in das Zentrum meines Futterplatzes setzte. In einem Radius von 50 cm um diese Stelle kippte ich mit dem Polecup loses Futter mit Pellets, Maiskörnern, Hanf und toten Maden ab. Auf dem weichen Grund entstand so ein kleiner Futterteppich, der alle Leckereien gut sichtbar präsentierte. Beim Eintreffen größerer Fische haben diese auch genug Platz, um nach Futter zu suchen und länger Zeit zu verweilen.

Futter für die Startfütterung extra mischen
Mein Futter zur Startfütterung mische ich in einem extra Gefäß. [Bildquelle: © René Schulze]

Erster Fischkontakt

Weil ich nach dem Anfüttern erst noch meinen Kescher und das Fotostativ aufbaute, hatte ich beim Einsetzen der mit einer toten Maden und einem Maiskorn beköderten Montage sofort den ersten Biss. Eine handlange Rotfeder hatte sich den Cocktail eingewürgt. Mir war sofort klar, dass ich in ein „Wespennest gestochen“ hatte. Meine Vermutung bestätigte sich, denn ich fing ca. 20 weitere Rotfedern und eine Plötze. Ich will mich aber keineswegs beschweren. Es waren allesamt schöne Fische:

Rotfeder als Vorbote für die Schleien
Weißfische am Futterplatz, wie diese schöne Rotfeder, sind gute Vorboten für die erhofften Schleien. [Bildquelle: © René Schulze]

Bezüglich der Montage wird dir jetzt klar, dass ich meine Hauptbebleiung nicht ganz nach oben schieben konnte. Maiskörner und Maden sinken langsam. Das Blei in der Mitte sorgte dafür, dass mein Hakenköder zumindest den ersten Teil des Weges schneller durch das „Feindesland“ vorankommt. Ohne diesen Kompromiss hätten sich die Rotfedern auf meinen Hakenköder gestürzt wie die Hyänen auf eine verwundete Gazelle.

Neue Futtertaktik beim Schleienangeln

Dass beim Angeln mit der Kopfrute auf Schleien und der damit notwendig verbundenen Anfütterung auch Weißfische angezogen werden, ist völlig normal. Lass dich davon keinesfalls entmutigen. Die Tatsache, dass die Rotfedern keine Winzlinge waren, bestätigt die Richtigkeit der Futter- und Ködertaktik. Vor einem Jahr habe ich an ähnlicher Stelle gesessen und mit Maden an feiner Montage gefischt. Jede Menge kleiner Rotaugen waren das Ergebnis.

Beißende Weißfische sind beim Kopfrutenangeln immer ein gutes Zeichen. Die Fische sind in Fresslaune und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die größeren Exemplare eintreffen. Voraussetzung ist allerdings, dass du beim Nachfüttern jetzt keine groben Fehler mehr machen darfst. Konkret hieß das in meinem Fall, dass ich:

  • Unbedingt nachfüttern musste, denn ein Schwarm Rotfedern dieser Größe räumt einen Polecup voller Futter schneller ab als eine Footballmannschaft ein Buffet beim Kindergeburtstag.
  • Nur noch sehr wenig oder kein Grundfutter mehr einbringen durfte, denn die Futterwolke hätte nur noch mehr Kleinfische auf den Plan gelockt.
  • Statt dessen noch mehr und regelmäßig Pellets und Maiskörner streuen musste, um für den bald zu erwartenden Großfisch einen gedeckten Tisch vorzubereiten.
Meine Nachfütterung, um Großfische auf dem Platz zu halten
Diese Nachfütterung sollte die Rotfederbisse eindämmen und Großfische auf dem Platz halten. [Bildquelle: © René Schulze]

Wie ich es vorausgesagt hatte, war 2 Polecups voller loses Futter und 15 Minuten später Funkstille auf meinem Platz. Wer das noch nicht erlebt hat, würde jetzt wahrscheinlich enttäuscht sein und die Futtertaktik für falsch halten. Aber jetzt heißt es aushalten und den Kescher bereit legen.

Keine 5 Minuten nach dem Abebben der Rotaugenbisse ging die Pose erneut unter und ein deutlich größerer Widerstand war an der Kopfrute zu spüren. Mehrere langsame Schläge ließen einen Brassen vermuten, der sich 2 Minuten später im Kescher befand. Auf Grund der groben Montage war ein zügiges Wegführen des Fisches vom Futterplatz kein Problem. In Ufernähe konnte ich den Fisch dann behutsam ausdrillen und sicher landen.

Großfische beim Kopfrutenangeln sind oft Brassen.
Der erste Großfisch auf meinem Futterplatz war ein Brassen. [Bildquelle: © René Schulze]

Keine Schleie beim Kopfrutenangeln?

Nach dem Drill war erst einmal kurze Zeit Ruhe auf dem Platz. Ich fütterte noch einen Cup Leckerlis nach und angelte hoffnungsvoll weiter. Wer mich kennt, der weiß, dass Aufgeben keine Option ist. Es war jetzt fast 17 Uhr und das Tageslicht wurde allmählich gedämpft. Es stellten sich wieder die Rotfedern ein bis die Bisse erneut abrupt nachließen. Ich rechnete schon mit einem weiteren Brassen, was mich durchaus gefreut hätte.

Meine nach wie vor sensibel eingestellte Montage, die mit zwei Maiskörnern bestückt war, zeigte einen erneuten Biss. Nach dem Abtauchen der Pose setzte ich meinen Anhieb und verspürte wieder einen heftigen Widerstand. Dieses Mal jedoch wehrte sich mein noch unbekannter Gegner mit mehreren sehr heftige Schlägen. Brassen machen auch derartige Fluchtbewegungen, aber nicht so ausgeprägt. Ein Karpfen war es mit Sicherheit auch nicht, denn dieser hätte als erste Fluchtreaktion getestet, wie weit sich mein Gummi ausziehen lässt.

Aus Erfahrung ahnte ich, dass es sich wohl um eine Schleie handeln konnte. Gewissheit hatte ich aber erst kurz vor dem Keschern.
Nachdem mein Zielfisch sicher am Ufer war, freute ich mich natürlich riesig. Eine prächtige Schleie von 44 cm und 1,7 kg lag in meinen Händen.

Schöne Schleie mit der Kopfrute gefangen
Diese schöne Schleie war die Belohnung für eine richtige Taktik mit der Kopfrute. [Bildquelle: © René Schulze]

Die Mühe hatte sich gelohnt und die angewandte Taktik bestätigt. Ich hätte diesen Bericht sicher auch ohne Schleie geschrieben und einen neuen Anlauf einige Tage später versucht. Aber so lief alles nach Plan, was mich am meisten freute.
Nach dem Fisch packte ich zufrieden ein und ließ die anderen Schleien im See vorerst in Ruhe. Wenn es am schönsten ist, sollte man bekanntlich aufhören. Aber ich habe schon ein nächstes Projekt im Visier. Aber davon berichte ich ein anderes Mal.

Falls du noch mehr Tipps zum Angeln mit der Kopfrute und zum Hegefischen haben möchtest, dann trag dich gerne in meinen Newsletter ein.

Wie bei fast allen meiner Friedfischartikel kannst du hier noch einmal das Wichtigste dieses Berichtes als PDF kostenlos downloaden:

Ich wünsche dir schöne Schleien mit der Kopfrute.

René

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