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Angeln im Winter an Naturgewässern ist optisch reizvoll aber oft nicht einfach. [Bildquelle: © René Schulze]

Angeln im Winter mit dem Winkelpicker

Angeln im Winter mit dem Winkelpicker

Das Angeln mit dem Winkelpicker ist in den vergangenen Jahren ein wenig in den Schatten des Feederruten-Booms getreten. Aber gerade beim Angeln im Winter sind diese sensibleren und kürzeren Ruten oft im Vorteil gegenüber ihren größeren Verwandten.

Anhand der 7 Profi-Tipps aus meinem Artikel zum Winterangeln auf Friedfische zeige ich dir am Beispiel einer konkreten Angel-Session:

  • wie ich diese Tipps in der Praxis angewendet habe,
  • warum der Winkelpicker eine gute Wahl war und
  • welche Taktik trotz Schwierigkeiten zum Erfolg führte.

Ich habe diese 7 Winterangel-Tipps im Text grün hervorgehoben, werde sie aber nicht noch einmal näher erläutern, denn das habe ich bereits ausführlich im oben erwähnten Artikel getan. Es geht an dieser Stelle in erster Linie um die konkrete Durchführung mit vielen praktischen Tipps.

Der richtige Zeitpunkt und Ort zum Angeln im Winter

Zu keiner anderen Jahreszeit ist die richtige Wahl des Angeltages entscheidender für den Erfolg. Die Witterung und das Wetter spielen dabei die wichtigste Rolle. Meine Wahl fiel auf den 24. Januar 2022. Während der letzten Tage lagen die Höchsttemperaturen bei etwa 5 – 6 °C und die Nächte blieben frostfrei. Ab und zu fiel leichter Nieselregen, aber es herrschte nahezu Windstille. Gerade für das Angeln mit dem Winkelpicker ist wenig oder kein Wellengang ideal. Alles in allem waren die äußeren Bedingungen also recht günstig, so dass ein Angel-Versuch lohnenswert erschien.

Noch wichtiger als der richtige Zeitpunkt sind die Gewässerwahl und die optimale Angelstelle. In meinem Leitartikel zum Angeln im Winter habe ich Schifffahrtskanäle empfohlen. Der nächst gelegene Kanal dieser Art liegt aber mindestens eine Autostunde von meinem Wohnort entfernt, was nicht lohnenswert war. Ich beschränke mich im Winter gerne auf meine Hausgewässer, auch wenn diese dann nicht so einfach zu beangeln sind. Herausforderungen dieser Art mag ich allerdings, denn ich kann dabei mehr lernen, weil ich ständig über meine Taktik nachdenken muss.

Mein Zielgewässer war ein 150 m langer und 10 bis 20 m breiter Seitenarm eines Nebenflusses der Mulde. Die Verbindung zum Fluss ist nur etwa zwei Meter breit. Das Gewässer ist bei normalem Wasserstand der Mulde mit etwa 50 – 70 cm recht flach, so dass es keine nennenswerten Vertiefungen gibt.

Auf Grund dieser Bedingungen war mir bereits im Vorfeld klar, dass es eine tiefste Stelle mit dem wärmsten Wasser quasi nicht gibt. Außerdem herrschte bereits 2 Wochen lang mittleres Hochwasser, so dass mein Angelgewässer randvoll gefüllt und jetzt etwa 1,20 m tief war. Durch diese Menge frischen Flusswassers gab es ohnehin keine Stellen mit nennenswerten Temperaturunterschieden.

Die einzige Tatsache, bei der ich mir sicher sein konnte, war, dass sich die Fische irgendwo in diesem Gewässer aufhielten, denn sie sind sicher nicht in den Fluss gezogen. 50 m abwärts der schmalen Verbindung ist ein Wehr und im Winter stromauf zu schwimmen bei verstärkter Strömung kam auch nicht in Frage. Die Fische waren also da, aber wo?

Einen kleinen Hinweis bekam ich am Tag zuvor, als ich bei einem Sonntagsspaziergang mit der Kamera einen Graureiher vor die Linse bekam, der unmittelbar in der Nähe meiner beabsichtigten Angelstelle saß. Wenn es also im Uferbereich Kleinfische gab, sind die etwas größeren Exemplare vielleicht auch nicht weit.

Graureiher zeigen oft lohnenswerte Angelstellen zum Angeln im Winter
Graureiher geben oft Hinweise, welche Stellen beim Angeln im Winter lohnenswert sind. [Bildquelle: © René Schulze]

Vorbereitung des Winterangelns

Die Kopfrute wäre unter den beschriebenen Gewässerbedingungen sicher die erste Wahl, weil ich den Köder am genausten und sensibelsten anbieten kann. Ich musste allerdings alle Gewohnheiten der Fische im Winter in meine Entscheidung einbeziehen. Dazu gehörte auch die Tatsache, dass ich nicht genau wusste, wo sich die Fische am Angeltag aufhalten würden. Mit dem Winkelpicker wählte ich die für mich richtige Ausrüstung an diesem Tag, denn ich konnte auf diese Weise verschiedene Stellen in einem größeren Bereich systematisch absuchen.

Ich steckte also meine feinste Spitze auf und verwendete eine 16er Hauptschnur mit einem 0,08 mm starken und knapp 30 cm langen Vorfach. Als Haken wählte ich einen Sensas 3012 Rouge in der Größe 22.

Als Zielfische erwartete ich in erster Linie Rotaugen und Döbel. Beide Arten nehmen im Winter noch verhältnismäßig viel Nahrung auf, vorausgesetzt man wählt die richtigen Köder, Futtermischungen und Lockstoffe.

Weil es sich um eine recht spontane Angelei am Feierabend handelte, hatte ich kein größeres Ködersortiment parat. Ich hatte noch Pinkies vom Deutschen Anglertreff Ende September übrig, die ich im Herbst im Kühlschrank lagerte und ab Dezember in der Garage. Pinkies halten sich bei kühlen Temperaturen unheimlich lange. Etwa alle 3 Wochen lasse ich sie einmal durch ein Sieb laufen, nachdem ich sie ein paar Stunden in der Wohnung erwärmt habe.

Außer den Pinkies habe ich immer eine Dose Mais aus dem Supermarkt dabei, etwas Toastbrot sowie eine Dose Hanfkörner. Ein paar herbe Aromen, vor allem Koriander, sollten dem Futter eine zusätzliche Lockwirkung verleihen, etwas schwarze Futterfarbe die Wolkenbildung verstärken.

Futter und Lockstoffe zum Angeln im Winterrangeln
Futter und Lockstoffe zum Angeln im Winter [Bildquelle: © René Schulze]

Bevor ich das Futter mit dem Korianderpulver (ebenfalls aus dem Supermarkt) vermischte, siebte ich noch die gröbsten Bestandteile mit einem feinen Küchensieb heraus. Es handelt sich dabei meist um Stücke von Sämereien, vor allem Hanfkörner. Diese hätten allerdings in dieser Situation keinen Nutzen gehabt, denn sie wären durch ihren Auftrieb und meine geplante Taktik gar nicht zum erst zum Grund gelangt.

Gesiebtes Futter für scheue Winterrotaugen
Gesiebtes Futter für scheue Winterrotaugen [Bildquelle: © René Schulze]

In meinem Artikel zum Angeln im Winter habe ich als Futterempfehlung noch die Bedeutung von Maulwurfserde betont. Beim Angeln in tieferen Gewässern oder Kanälen ist diese auch ein unverzichtbarer Bestandteil des Futters. In meinem speziellen Gewässer unter den genannten Umständen wäre sie aber aus folgenden Gründen unproduktiv:
Das Futter wäre zu schwer und würde zu tief in den schlammigen Boden einsinken.
Die Einwurfgeräusche hätten die Fische in dem flachen Wasser erschreckt.
Eine zu hohe Bindung ließe das Futter nicht aufplatzen, was aber meine Taktik (siehe nächster Tipp) zerstören würde.

Bestandteile meines Rotaugenfutters zum Angeln im Winter
Mein Rotaugenfutter hatte nur wenige Bestandteile. [Bildquelle: © René Schulze]

Durchführung

Gerade unter schwierigen Bedingungen ist eine richtige Taktik der Schlüssel zum Erfolg. Ich erlebe immer wieder Angler, die nach Angelbeginn bei ihrem Schema F bleiben und sich während des Angelns nicht an besondere Umstände anpassen (wollen). Die Ursache sind meistens fehlende Ideen oder Bequemlichkeit.

Mein Plan und seine Umsetzung

Nach dem Aufbau der Ausrüstung musste ich entscheiden, wo ich meine Futterstellen anlegen wollte. Ich entschied mich für die etwa 10 m entfernte Gewässermitte, denn diese bot mir mehrere Vorteile:

  • Die Anfütterung konnte per Hand erfolgen.
  • Die Nachfütterung mit losen Pinkies und Hanfkörnern war bequem und präzise mit einer kleinen Madenschleuder möglich.
  • Ich konnte die Angelstelle weit und damit geräuscharm überwerfen.
  • Zaghafte Bisse waren besser sichtbar.
Angelstellen mit dem Winkelpicker
Um die Winterrotaugen zu finden, wollte ich die Gewässermitte systematisch absuchen. [Bildquelle: © René Schulze]

Zur Startfütterung warf ich 5 walnussgroße Kugeln mit etwa je 6 – 8 toten Pinkies auf 2 Angelstellen, die Luftlinie auch etwa 10 m entfernt waren. Die Bällchen drückte ich nur so fest zusammen, dass sie beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche leicht zerplatzten. Damit wollte ich folgendes erreichen:

  • Beim Herabrieseln bildete sich eine Futter- und Duftwolke.
  • Das Futter legte sich in einem feinen Teppich auf den weichen und mit Laub bedeckten Boden.
  • Die toten Pinkies blieben sichtbar liegen, lebende hätten sich sofort im Schlamm verkrochen.

Nachdem ich die beiden Stellen befüttert hatte, begann ich die erste zu beangeln. Ich nutzte an meiner Montage keinen Futterkorb, sondern nur ein 7,5 g schweres Tellerblei. Meinen Haken beköderte ich zunächst ausschließlich mit einem einzigen lebenden Pinkie. Beim Einwerfen der Montage überwarf ich meine Angelstelle um mindestens 7 – 8 m und kurbelte sie dann bis über die Futterstelle (Schnurmarker). Danach stellte ich den Winkelpicker so ein, dass sich die Spitze leicht krümmte.
Um die Fische auf meine Stelle aufmerksam zu machen, begann ich nun mit dem abwechselnden Schießen einzelner Pinkies und Hanfkörner auf beide Angelstellen. Mein Rhythmus sah folgendermaßen aus: 3 – 5 Pinkies auf Stelle 1, danach die gleiche Menge auf Stelle 2. Eine Minute Pause. Jetzt 10 Hanfkörner auf jede Stelle, danach wieder eine Minute Pause. Anschließend die gleiche Prozedur wieder mit Pinkies usw. Ich machte mir dabei keine Sorgen um die immer größer werdende Menge an Pinkies auf dem Grund, denn wie bereits erwähnt, verkrochen sich diese schnell im Gewässerboden. Nach jedem 3. Pinkieregen warf ich wieder ein kleines Bällchen Futter ohne Pinkies ein, um auch die Wolkenbildung nicht zu vernachlässigen.

Der erste Biss beim Angeln im Winter

Nach einer knappen dreiviertel Stunde wollte ich die Angelstellen wechseln und eine weiter entfernte Futterstelle anlegen. Ich bemerkte aber plötzlich eine winzige Regung an meiner Rutenspitze. Das ließ mich hoffen. Ich setzte prophylaktisch einen kleinen Anhieb und kurbelte ein. Außer einem unversehrten Pinkie und etwas Schlamm am Haken war nichts an meiner Montage zu sehen, was auf das Vorhandensein von Fischen hin deuten konnte. Die Bewegung an der Rutenspitze könnte allerdings ein Schnurschwimmer gewesen sein, so dass vielleicht doch Fische in der Nähe waren.

Ich dachte über meine Taktik nach und bemerkte den ersten Fehler:

Um nicht unnötige Unruhe auf den Platz zu bringen, ließ ich meine Montage nach dem Einwerfen etwa 10 Minuten ruhen. Nach dem Einholen warf ich die zweite Futterstelle an und wartete auch wieder die gleiche Zeit. Mir war nun klar, dass mein lebender Pinkie durch seine Bewegung am Grund sicher auch nach kürzester Zeit unsichtbar für die Fische im weichen Boden verschwunden war.
Ich probierte es darauf hin mit einem toten Pinkie und bekam eine viertel Stunde später auf Futterstelle 2 den ersten Biss. Der Anhieb ging ins Leere. Nach einem erneuten Einwurf konnte ich das erste Winterrotauge des Tages fangen. Dieses war von der Schwarzfleckenkrankheit befallen, welche durch winzige Saugwurmlarven (Cerarien) verursacht wird. Wenn diese zwischen den Schuppen in die Haut eindringen, bilden die Fische an diesen Stellen Melanin, welches die schwarzen Flecken hervorruft. Befallene Fische können trotzdem bedenkenlos verspeist werden.

Winterrotauge mit Schwarzfleckenkrankheit
Winterrotauge mit Schwarzfleckenkrankheit [Bildquelle: © René Schulze]

Verfeinerung der Winterrotaugen-Taktik

Bis zum nächsten Fisch vergingen auch wieder mehrere Minuten, was mich erneut über meine Taktik nachdenken ließ. Nachdem ich den ersten Biss hatte, fütterte ich trotzdem weiterhin lose Maden und Hanf nach dem beschriebenen Schema. Ich wollte damit noch mehr Fische auf den Platz aufmerksam machen und einen gewissen Futterneid erzeugen. Vielleicht erschien den Fischen der tote Pinkie doch unattraktiver als erwartet.
Es sollte also noch einmal ein lebender Pinkie zum Einsatz kommen. Um ein Verkriechen im Boden zu vermeiden, sah ich 2 Wege:

  1. Ich könnte einige Pinkies mit etwas Wasser übergießen, um schwimmende Pinkies zu erzeugen. Meine Befürchtung war allerdings, dass diese dann an der Wand der Madendose hochkrabbeln und sich über meinen gesamten Beistelltisch verteilen. Außerdem hatte ich nicht mehr so viel Zeit, um zu warten, dass die durch die Wintertemperatur recht trägen Pinkies genug Luft tanken würden.
  2. Ich könnte einen Auftriebskörper nutzen. Mit dem kleinsten Breadpuncher stach ich aus einer Scheibe Weißbrot ein kleines Stück aus und steckte es an den Haken. Auf die Spitze kam dann ein Pinkie. Das Weißbrot hatte genügend Auftrieb, um den Pinkie über dem Grund schweben zu lassen. Ich probierte diese Doppelköder zuerst im klaren und flachen Uferwasser aus und es schien zu funktionieren.
Kombination aus Pinkie und Brotflocke
Die Brotflocken-Pinkie-Kombi lässt sich leicht am Haken befestigen und sorgt am Gewässergrund dafür, dass sich der Pinkie wegen des Auftriebes nicht verkriechen kann. [Bildquelle: © René Schulze]

Nach dem erneuten Einwerfen hatte ich auch recht schnell einen Biss und fing ein weiteres kleines Rotauge. Das setzte sich dann so fort und im Abstand von etwa 5 Minuten folgten dann noch weitere der gleichen Größe.

Winterrotauge mit Karpfenlaus
Kleine Winterrotaugen waren die Hauptbeute an diesem Tag. Dieses hatte eine Karpfenlaus hinter der Brustflosse. [Bildquelle: © René Schulze]

Am Ende waren es dann etwa 10 Rotaugen. Der letzte Fisch war aber ein kleiner Döbel, der im Dämmerlicht meinen Köder nahm. Auffällig waren einige fehlende Schuppen, die durch Raubfischangriffe verursacht sein konnten.

Döbel beim Angeln im Winter

Warm anziehen und nicht aufgeben

Angeln im Winter ist neben der richtigen Taktik trotzdem immer wieder eine unsichere Sache. Es gibt durchaus Tage, an denen du die Fische nicht findest. Trotzdem sollte so ein Winterangeln nicht gänzlich umsonst sein. Wenn ich einmal leer ausging, dann wusste ich zumindest, dass ich vorher alles probiert hatte, was mir eingefallen war. Auch dadurch habe ich viel gelernt, denn mein Ideenschatz wurde auf diese Weise immer größer. Immer wieder die Taktik durchdenken und nicht aufgeben ist seit langem meine Devise.

Warme und wetterfeste Kleidung waren dabei besonders wichtig. Wenn man sich nämlich nicht wohl fühlt, dann fällt es schwer, sich auf das Angeln zu konzentrieren.

Mit dem richtige Mindset  gibst du nie auf und wirst ein immer besserer Angler. Ich kenne unzählige Situationen, in denen andere Angler bei Misserfolg frühzeitig aufgegeben haben. Gründe waren oft ein falsches Mindset und zu wenig Ideen, um in schwierigen Situationen richtig zu reagieren.

Wenn du Lust hast, deinen Ideenschatz zu erweitern und an deinem Mindset zu arbeiten, dann trag dich in meinen Newsletter ein und erhalte unterhaltsame Mails mit vielen Tipps und Tricks.

Ich habe dir hier noch einmal meine Erfolgstaktik zum Angeln im Winter als PDF zum kostenlosen Download bereit gestellt.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren und einen guten Fang!
René Schulze

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