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Erfolgreichen Anglern über die Schulter zu schauen lohnt sich immer. [Bildquelle: © René Schulze]

Anglern über die Schulter schauen

Anglern über die Schulter schauen

„Was ist langweiliger als Angeln? Beim Angeln zuschauen.“ Kennst du diesen Witz? Ich habe ihn ein wenig verändert. „Was ist lehrreicher als Angeln? Beim Angeln zusehen.“ Das glaubst du nicht? Dann hast du bisher einiges verpasst. Anglern über die Schulter schauen ist eine der besten Methoden, um von ihren Erfahrungen zu lernen. Du musst es nur richtig anstellen, denn sonst vergibst du dir viele Chancen auf nützliche Tipps und Tricks.

Der frühe Vogel beobachtet am meisten

Ich habe schon sehr oft bei großen Meisterschaften Anglern über die Schulter geschaut und dabei festgestellt, dass viele Besucher erst am Wasser eintreffen, wenn das Angeln schon im vollen Gange ist. Die Zuschauer gehen dann die Strecke entlang und freuen sich über jeden Fisch, den sie sehen. Am Ende fahren sie nach Hause und hatten einen schönen Tag.

Wenn du auch so denkst, dann lernst du nur einen Bruchteil von dem, was möglich ist. Daher habe ich folgenden ersten Tipp.

Tipp 1:
Sei spätestens an der Strecke, wenn die Angler ihre Sektoren betreten und ihre Ausrüstung aufbauen.

Ködervorbereitung
Die Ködervorbereitung solltest du beim Zuschauen nicht verpassen. [Bildquelle: © René Schulze]

Beim Aufbauen der Ausrüstung und der Vorbereitung kannst du unheimlich viel lernen, z.B.:

  • die optimale Anordnung der Ausrüstungsteile,
  • die Auswahl der Montagen,
  • das Ausloten der Angelstellen,
  • die Futtervorbereitung mit Futter- und Köderwahl,
  • die Taktik bei der Startfütterung.
Anglern bei der Futterkontrolle über die Schulter zu schauen bringt wichtige Erkenntnisse.
Näher als bei der Futterkontrolle kommst du nicht an deinen Profi-Angler und sein Futter heran. [Bildquelle: © René Schulze]

Wenn du irgendwann mal an der selben Strecke sitzt, kannst du dieses Wissen für deine eigene Vorbereitung nutzen.

Schaue nicht jedem Angler über die Schulter

Bei einem großen Event gibt es jede Menge Top-Angler. Am liebsten möchtest du alle sehen und von ihnen lernen. Aber dieses Vorgehen ist falsch. Wenn du bei jedem nur eine kurze Weile zuschaust, siehst du viele einzelne Handlungen. Diese sind aber für dich völlig ohne Zusammenhang. Du weißt also nicht, warum der Angler in einer bestimmten Situation diese und jene Entscheidung trifft. Aber genau das ist das Wertvollste an der ganzen Beobachterei. Deshalb schlage ich dir vor:

Tipp 2:
Such dir einen guten Angler, dem du die ganze Zeit zuschaust.

Alan Scotthorne über die Schulter schauen lohnt sich.
Alan Scotthorne ist als erfolgreichster Einzelangler Zuschauer gewöhnt und hat am Ende auch Zeit für ein Foto. [Bildquelle: © René Schulze]

Bei einer großen Veranstaltung sind die Top-Angler daran gewöhnt, viele Zuschauer zu haben. Sie werden sich nicht daran stören. Wenn du die Gelegenheit hast, diese Angler vor dem Aufbauen der Ausrüstung zu fragen, ob du ihnen zuschauen darfst, dann tue das. Danach ist es wenig sinnvoll und einige fühlen sich in ihrer Konzentration gestört. Ein Dankeschön nach dem Angeln kommt ebenfalls gut an.

Wenn es sich um eine Veranstaltung über 2 Tage handelt, dann schau dir am ersten Tag das gesamte Teilnehmerfeld an. Am zweiten Tag wählst du einen interessanten Angler aus und beobachtest seine Taktik.

Sei selbst gut vorbereitet, wenn du Anglern über die Schulter schaust

Du solltest dir beim Angler Beobachten einige Dinge mitbringen, um das maximale Ergebnis zu erreichen:

  • Campingstuhl
  • Schreibzeug
  • Fotoapparat mit Zoomfunktion (Auslösegeräusch abschalten)
  • Verpflegung (ohne „Knistertüten“)
  • Uhr

Das Zischen einer Bierdose sowie das Knistern einer Erdnussflips-Tüte kommen weniger gut an. Heb dir diese Dinge auf, wenn du zu Hause vor dem Fernseher Fußball schaust. Setz dich so hin, dass du den Angler beim Zuschauen nicht störst (Abstand zum Abroller usw.).

Mache mit deinem Fotoapparat Bilder wichtiger Abläufe und Situationen. Wenn du Glück hast, gelingen dir auch Schnappschüsse, aus denen du wertvolle Informationen ziehen kannst.

Fotos sind hilfreich beim Beobachten von Anglern.
Mit einer guten Zoomfunktion der Kamera sowie etwas Glück kannst du wertvolle Informationen, zum Beispiel den verwendeten Hakenköder, herausfinden. [Bildquelle: © René Schulze]

Tipp 3:
Protokolliere das gesamte Angeln mit Zeitangaben, Vorfällen und den Handlungen, die der Angler daraufhin ausführt.

Auf diese Weise bekommst du eine gute Handlungsanweisung für dieses Gewässer und lernst, was in bestimmten Situationen richtig oder auch falsch ist. Am besten, du schreibst zu Hause noch einmal alles sauber ab und fügst passende Fotos ein. Wenn du irgendwann einmal selbst an diesem Gewässer angelst, hast du eine super Vorbereitung, die du dann nur noch etwas anpassen musst.

Hinterher ist man immer schlauer

Nach dem Angeln ist jeder schlauer und denkt noch einmal über den Durchgang nach. Viele Angler sprechen beim Einpacken mit dem Nachbarn über dessen Taktik. Dabei hörst du vor allem von den weniger erfolgreichen Teilnehmern jede Menge Ausreden, warum es nicht geklappt hat, z.B.:

  • ich hatte einen Hecht auf dem Platz,
  • bei mir war ein versunkener Baum im Wasser,
  • der Nachbar hat mit seinem Futter die Kleinfische angelockt.

Tipp 4:
Hör den Anglern nach dem Angeln aufmerksam zu. In diesen Gesprächen erfährst du wertvolle Alternativen zur Taktik, die du protokolliert hast.

Das ist besonders dann hilfreich, wenn dein beobachteter Angler Fehler gemacht hat. Gute Angler geben diese Fehler auch offen zu. Wenn du Gelegenheit hast, dann mach dich ein wenig nützlich beim Einpacken und sprich mit deinem Angler. Dabei solltest du ihm danken und loben, aber auch auf bestimmte Situationen ansprechen. Besonders die erfolgreichen unter ihnen verraten dann bereitwilliger noch so manchen Trick und lassen sich beim nächsten Mal gerne wieder beim Angeln über die Schulter schauen.

Schauen, schätzen und vergleichen

Ziel eines Hegefischens ist sehr oft die Bereitstellung von Besatzfischen für andere Gewässer. Aus diesem Grunde sollte der Fang art- und mengenmäßig erfasst werden. Als Beobachter hast du die einmalige Chance, dich nützlich zu machen und dein eigenes Auge zu schulen.

Tipp 5:
Beobachte und vergleiche die Fänge der Nachbarn mit dem deines Anglers und schätze die Fanggewichte.

Beim Verwiegen kannst du dann sehen, wie gut du geschätzt hast. Wenn du selbst angelst, dann solltest du immer versuchen, das Gewicht deines eigenen Fanges zu jedem Zeitpunkt des Durchganges ungefähr zu kennen. Wenn dann einmal Besucher zu dir kommen und berichten, welche Fische sie in deinem Sektor gesehen haben, kannst du daraus Schlüsse über deine weitere Taktik ziehen.

Dein beobachteter Angler ist auch daran interessiert, seinen Stand zu kennen, wenn er nicht die Möglichkeit hat, seine Nachbarn zu sehen. Bei großen Events ist es allerdings nicht erlaubt, mit den Teilnehmern zu sprechen, wenn du kein offizieller Betreuer bist.

Wenn du von einem Konzert eines berühmten Künstlers nach Hause fährst, bist du voller Begeisterung und hörst seine Musik mit anderen Ohren. Nach einem großen Angel-Event wirst du viel motivierter und selbstbewusster dein nächstes Angeln bestreiten.

Zuschauen ist Mindset-Training pur – nutze deine Chance!

Ich wünsche dir viel Freude beim Anglern über die Schulter schauen. Und falls du irgendwann einmal mich beobachten solltest, dann sprich mich an und wir machen nach dem Angeln ein kleines Schwätzchen.

Fall du an weiteren Tipps und Tricks interessiert bist, dann trag dich gerne in meinen Newsletter ein. Dort erfährst du die wirklichen Hacks ;-).

Ich habe wie immer eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte dieses Berichtes als Download vorbereitet.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Beobachten und maximale Erkenntnisse!

René

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