Zwei verschiedene Futtersorten im Fluss

Beim Hegefischen ist es dann sinnvoll, zwei verschiedene Futtersorten vorzubereiten, wenn im Angelgewässer Zielfische vorkommen, die unterschiedliches Futter bevorzugen. Ich habe sehr oft nach dieser Regel gehandelt und gute Ergebnisse erzielt. Die folgende verrückte Geschichte ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Hinweis: Die Fotos in dieser Geschichte stammen nicht vom damaligen Hegefischen.

Hegefischen in der Saale

Vor vielen Jahren, als einige Vereine noch offene Hegefischen veranstalteten, nahm ich einmal an einem Kopfrutenangeln an der Saale bei Bernburg teil. Die Bilder, die ich von diesem 13. Oktober 1996 vor Augen sehe, kommen mir nach so vielen Jahren immer noch so real vor, als sei es gestern gewesen.

Herbst an der Saale
Herbst an der Saale (bei Weißenfels) [Bildquelle: © René Schulze]

Um gut vorbereitet zu sein, fuhr ich mit einem Angelfreund eine Woche vorher an die Strecke. Ich wollte in erster Linie testen, welche Fischarten im Herbst noch gut zu fangen sind. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass vor allem Rotaugen als Zielfische in Frage kamen. Brassen konnten wir im Training überhaupt nicht fangen.

Ich stellte meine Vorbereitung also voll auf Rotaugen ein und bereitete ein herbes Rotaugenfutter für die Strömung vor. Die Grundmischung war ein Fertigfutter, das ich noch mit Rösthanf und einem Fertigaroma auf Korianderbasis verfeinerte.

dunkles Futter für Rotaugen
Mit dunklem Futter wollte ich die Herbstrotaugen anlocken. [Bildquelle: © René Schulze]

Zusätzlich feuchtete ich aber am Abend zuvor noch 2 kg Brassenfutter an, denn man weiß ja nie. Somit hatte ich zwei verschiedene Futtersorten im Gepäck, eine herbe für die Herbstrotaugen und eine süße für den eventuellen Bonusbrassen.

Vorbereitungen an der Strecke

Wer schon häufiger an Hegefischen teilgenommen hat, der weiß, dass die Bedingungen, besonders aber das Beißverhalten, am Veranstaltungstag meist viel schlechter sind als Tage zuvor. Das ist schade, denn damit kann man nicht immer die gewünschte Zahl an Fischen zum Umsetzen in andere Gewässer gewinnen. Andererseits sind dann die Transportbedingungen für die Tiere besser.

Ich saß im E-Sektor auf Platz 4 in einer Außenkurve und hatte einen guten Blick auf einen Großteil des Teilnehmerfeldes rechts (stromab) von mir.

Wie beim Angeln im eher langsam fließenden Fluss allgemein üblich, legte ich zwei Futterbahnen an, eine auf 6 m, die andere auf volle 13 m. Die meisten anderen Angler taten das nicht und bereiteten nur die lange Bahn vor. Meine beiden Spuren befütterte ich mit der Rotaugenmischung, die Maden und Caster enthielt. Mückenlarven hatten wir damals noch nicht.

Maden und Caster
Maden und Caster waren in den 90er Jahren die meist verwendeten Friedfischköder. [Bildquelle: © René Schulze]

Enttäuschung und Jubel

Es zeigte sich sehr schnell, dass an diesem Tag nicht viel zu holen war. An den Außenplätzen im Sektor A wurden Fische gefangen, so berichteten zumindest die vereinzelten Zuschauer, die die Strecke entlang spazierten. Die Enttäuschung vieler Angler war deutlich zu spüren. Manche scherzten, andere schimpften vor sich hin.

Es wollte mir allerdings nicht einleuchten, warum die zahlreichen Rotaugen vom letzten Wochenende plötzlich alle weg sein sollten. Um der Sache auf den Grund zu gehen, probierte ich es auf der kurzen Bahn mit einer 3-g-Montage an einer 12er Hauptschnur. Ich warf zusätzlich einige lose Caster und Maden ein, um die Fische trotz ihres Futterstreiks an diesem Tage zu aktivieren.

Es dauerte auch nicht lange bis ich den ersten Biss bekam und ein schönes Rotauge keschern konnte. Kurz darauf folgte ein zweites und ich fühlte mich wie der Erfinder der Glühbirne. Keinem der anderen Angler in meiner Nähe kam nämlich die Erleuchtung, mit feiner Montage die Rotaugen in Ufernähe zu suchen.

Rotauge
Zwei schöne Rotaugen waren die Belohnung für meine Taktikänderung. [Bildquelle: © René Schulze]

Nach drei Stunden schien ich immer noch der einzige Angler mit Fisch in meinem Sektor zu sein, denn die anderen hatten auf ihrer 13-m-Bahn noch keinen einzigen Biss.
Zufrieden schweifte mein Blick über die Saale, die sich malerisch durch die Herbstlandschaft schlängelte. Alle Kopfruten glänzten regungslos im Schein der Sonne, deren Strahlen sich langsam ihren Weg durch den Hochnebel bahnten.

Ein Augenblick, der alles veränderte

Noch in Gedanken an den aus meiner Sicht erfolgreichen Tag schwelgend, versteinerte sich plötzlich mein Blick. Etwa 4 Plätze stromab von mir drillte ein Angler einen guten Fisch auf der langen Bahn und kescherte kurz darauf einen Brassen von 700 – 800 g.

Mein schöner Gedanke zerplatzte wie eine Seifenblase auf einem Igel-Geburtstag. Wieso fängst dieser Angler, der die letzten drei Stunden nichts vollbrachte, als seine Kopfrute stur in der Strömung zu halten, plötzlich einen großen Fisch? Warum ist das so ungerecht? Ich habe mir die beiden Rotaugen hart erkämpft und werde jetzt so bestraft?

Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Aber in meinem Kopf kämpften noch immer Ärger, Frustration und die verzweifelte Suche nach einer Option, das Blatt doch noch einmal zu wenden, um die Oberhand.

Was sollte ich jetzt machen? Selbst mit zwei weiteren Rotaugen, die seit einer Stunde wieder beschlossen hatten, ihre Diät fortzusetzen, hätte ich nicht an das Gewicht dieses Brassens herankommen können.

Der Rat des alten Meisters

Die entscheidende Idee kam im selben Moment, in dem ich den nächsten Schlag ins Gesicht bekam. Der Angler direkt rechts (stromab) von mir, der ebenso seine Kopfrute regungslos wie ein Denkmal hielt, hatte plötzlich auch einen guten Brassen im Drill.

Was war passiert? Ein kleiner Schwarm Brassen arbeitete sich scheinbar stromauf von Platz zu Platz, um vom Futterplatz jedes Anglers zu naschen.

Das war einerseits gut, denn der erste Brassenfänger hatte danach keinen weiteren Biss. Andererseits war es schlecht, denn ich hatte einen typischen Anfängerfehler gemacht, der sich wahrscheinlich nicht mehr korrigieren ließ.

Durch den Fang meiner Rotaugen auf der 6-m-Bahn hatte ich nämlich die 13-m-Bahn total vernachlässigt. Vor dem Start sowie innerhalb der ersten Stunde hatte ich dort noch gefüttert, aber auch nur mit der herben Rotaugenmischung und wenigen Ködern. Davon durfte durch die Strömung nun nichts mehr übrig gewesen sein, was einen Brassen in irgend einer Form hätte interessieren können. Sie würden einfach über meinen Futterplatz weiter stromauf schwimmen als sei dieser gar nicht da.

Doch der unvergessene deutsche Weltmeister Wolf-Rüdiger Kremkus gab einmal folgenden Rat für schwierige Situationen: Beobachten – überlegen – reagieren. Und genau das machte ich jetzt.

Mein Joker: zwei Futtersorten

Beobachtet hatte ich (leider) schon. Nach kurzer Überlegung beschloss ich, mein süßes Brassenfutter zu verwenden, das bisher geduldig wie eine Spinne in einer extra Tüte auf seinen Einsatz wartete.

Wenn du jetzt denkst, es ist doch kein Problem, schnell ein paar Bällchen auf die lange Bahn zu cuppen, dann irrst du dich. Es gab 1996 noch keine Polecups und das Nachfüttern war nur mit einer Hand erlaubt. Außerdem drängte die Zeit, wenn ich die Brassen noch erwischen wollte, bevor sie beim Nachbarn waren. Meine Reaktion sah demnach wie folgt aus.

Ich schüttete mein Rotaugenfutter aus dem Eimer, kippte das Brassenfutter hinein sowie alle Caster, die ich noch übrig hatte. Dann formte ich so schnell ich konnte mit der linken Hand „Futterklumpen“ und warf etwa 10 Stück in Richtung Flussmitte.

Danach war erst einmal Ruhe und ich starrte wie gebannt auf meine 10-g-Tropfenpose. Die Minuten vergingen und ich vermutete, dass die Brassen schon vorüber gezogen waren. Alles umsonst.

Wirklich?

Inmitten dieses enttäuschenden Gedankens hob sich meine Pose plötzlich ruckartig etwa 2 cm nach oben, so dass sogar Teile des Posenkörpers sichtbar wurden. Ohne wirklich zu realisieren, was geschah, setzte ich vollautomatisiert den Anhieb.

Ein Widerstand, dann das vertraute Schlagen. Ein Brassen. Ich weiß nicht, ob mein Puls je wieder bei einem späteren Hegefischen so raste wie in diesem Moment. Bitte bleib dran, war mein einziger Gedanke. Und etwa 1 Minute später lag er in meinem Unterfangkescher, der Brassen, der wahrscheinlich der wichtigste war, den ich bis dato gefangen hatte.

Brassen
Wahrscheinlich der schönste Brassen meines Lebens [Bildquelle: © René Schulze]

Am Ende hatte ich 3 Fische mit einem Gesamtgewicht von 1050 g, was das Höchstgewicht in meinem Sektor war. Ich war happy wie ein kleines Kind nach der weihnachtlichen Bescherung.

Die Lehre aus der Geschichte

Welche Lehren du für dich aus dieser Geschichte ziehst, ist dir überlassen. Für mich war seit diesem Tage folgendes klar:

1. Ich habe verschiedene Futtersorten bei mir, wenn ich verschiedene Zielfische vermute.

Natürlich könntest du nun sagen, dass das Rotaugenfutter auch seinen Job getan hätte, denn die Caster waren entscheidend. Damit hast du recht, aber ohne Polecup brauchte ich ein gut bindendes und passives Futter, was eindeutig das Brassenfutter war.

2. Ich werde nie wieder eine Spur vernachlässigen, sondern immer alle befüttern.

3. Ich gebe nie auf, sondern handle nach dem Motto: Beobachten – überlegen – reagieren.

Ich wünsche dir ein gutes Auge beim Beobachten, gute Ideen beim Überlegen und viel Erfolg bei der Umsetzung.

Falls es dir an Ideen mangelt, dann empfehle ich dir meine E-Books mit vielen Tipps und Tricks zum Nachmachen.

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